Silvio!

Silvio!

Italien, ein großes, ein stolzes Land, das Politiker hervorgebracht hat wie Cicciolina oder diesen einen Typ mit der Brille. Und dann ist da noch er, der King of Peinlich: Silvio Berlusconi. Wobei: „peinlich“ hat er schon vor Jahren hinter sich gelassen. Ich glaube, das neue Ziel heißt superpeinlich. Das beschreibt jedenfalls die Richtung.

Ein gewisses Stehvermögen – nicht sexuell gemeint – kann man ihm nicht absprechen. Jeder einzelne der Skandale hätte gereicht, eine deutsche Regierung komplett wegzufegen, inkl. Regierungssprecher. Nicht so aber Berlusconi: 1. ihm doch egal, 2. die anderen sind Schuld, 3. die Medien verzerren die Realität. Wenn man sich mit dem Gedanken angefreundet hat, dass Berlusconi nie etwas falsch macht, kommt einem das ganz plausibel vor. Wenn. Im Zweifel wird halt nachträglich per Gesetz bestimmt, dass Berlusconi Recht hat. Wer sagt da Operettenstaat?

Er hat es aber auch nicht leicht gehabt: Das Bedürfnis des elder Statesman, sich mit vielen sehr, sehr jungen, nuttig aussehenden Mädels rumzutreiben mochte seine Gattin nicht goutieren und wurde prompt zur Ex. Und als sei das nicht genug: Immer wieder schreibe die fanatisierte linke Presse Hetztiraden wider el presidente.

Ich erinnere mich nur kopfschüttelnd daran, aus welchem vergleichsweise nichtigen Grund ein Bill Clinton seinen Hut nehmen musste. Da wundert es nicht, wenn Kenner Italiens Berlusconis Regierungsstil als ‚Scheißegal-Phallokratie‘ bezeichnen. Ich denke auch, das trifft den Kern des Problems – es kümmert einfach niemanden. Weder die Müllberge, noch dass der Regierungschef sich international zum peinlichen Popanz macht.

Wenigstens seine Milliarden blieben ihm, wenn es jetzt endlich dieses nicht gerade verwöhnte Land in Ruhe ließe. Denn Autokrat Silvio ist auch ein erfolgreicher Unternehmer. Damit steht er in guter Gesellschaft: Auch Gaius Julius Cäsar war Politiker und, was nicht so bekannt ist, erfolgreicher Unternehmer.

Irgendwie passt ein geordneter, würdevoller Rückzug ins Privatleben nicht zu Berlusconi. Ein souveräner Abgang mit den besten Wünschen für seinen Nachfolger im Amt. Ich kann ihn mir nicht so recht im Schaukelstuhl vorstellen. Jedenfalls nicht ohne ein Bunga-Bunga-Mädel auf dem Schoß, das seine Ur-Enkelin sein könnte.

Bin ich, pallido stronzo tedesco, vielleicht nur neidisch? Vielleicht. Aber ganz sicher werde ich in dem Alter eine ruhigere Kugel schieben, auch und gerade, wenn ich derartig Geld und Macht angehäuft hätte.
Muss man da noch drauf rumkloppen, demontiert der sich nicht gerade selbst nach Kräften? Das dachte ich auch, viele, lange Jahre lang. Und dass es den Italienern irgendwann reichen würde – basta!
Aber nichts da, der inzwischen 75-jährige Máximo Líder des Stiefelstaates macht fröhlich weiter. Ich bin kein großer Kenner der italienischen Volksseele, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass Italiener im Ausland viel mit den Augen rollen, wenn sie auf ihren Regierungschef angesprochen werden. Und sich dann wieder den wirklich wichtigen Themen widmen – Pasta, Frauen und Fußball.

Wahrscheinlich kann niemand wirklich ermessen wie es ist, in Silvio Berlusconis Haut zu stecken. Außer, dass es langsam eng wird. Wortwörtlich, vom vielen Liften nämlich.

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