Parks & Recreation

Eigentlich ist es ein bisschen spät, denn Parks & Recreation läuft inzwischen in der 3. Staffel, die sich auch schon dem Ende zuneigt. Aber Parks & Recreation ist zu gut, um darüber hinweg zu gehen. Greg Daniels und Michael Schur (Dwight’s Cousin Mose, für ‘The Office’-Freunde) haben die Serie entwickelt, während sie noch an ‘The Office’ mitarbeiteten. Vom Stil her ist Parks & Recreation ein sogenanntes Mockumentary, mit den inzwischen hinlänglich bekannten Stilmitteln der 1-Kamera-Aufnahme, der Kamera bewusste Darsteller, Wackelkamera wenn herangezoomt wird, etc. Was aber macht Parks & Recreation so empfehlenswert?

Parks and Recreation: Die Prämisse

P&R spielt in der Stadtverwaltung der fiktiven US-Stadt Pawnee, genauer gesagt in der Abteilung für Parks und Erholung (daher der Titel). Pawnee ist eine Kleinstadt mit – im politisch korrekten Amerika – einer politisch sehr unkorrekten Vergangenheit (Massaker an den indianischen Ureinwohnern, etc.), was auch hin und wieder in Form großer, unfassbar beleidigender Wandmalereien in den verschiedenen Etagen der Stadtverwaltung gezeigt wird. Ich möchte die sehr guten Witze hier nicht verraten, deswegen gehe ich jetzt nicht weiter ins Detail. Pawnee ist außerdem die siebt-fettleibigste Stadt in Indiana, was Leslie in unbeschwertem Lokalpatriotismus gern jedermann erzählt.

Parks and Recreation: Die (Haupt-)Charaktere

Hauptcharakter ist Leslie Knopes, hervorragend gespielt von Amy Poehler (Saturday Night Live), der fröhliche, motivierte, enthusiastische, perpetuum-mobile-artige Motor und Vize-Präsidentin der Abteilung Parks & Recreation. Leslie sprüht vor Ideen, und wird zumeist von der Realität oder ihren weniger motivierten Kollegen ausgebremst, was schon allein für eine Vielzahl komischer Momente sorgt.

Die Kollegen, das sind:

Jerry (Jim O’Heir), übergewichtig, opportunistisch und faul.

Donna (Retta Sirleaf), übergewichtig, hoch verschuldet und faul.

April (Aubrey Plaza), genervte Praktikantin, arbeitsscheu.

Tom (hervorragend: Aziz Ansari), ein Mitarbeiter, der seine Energie hauptsächlich in seine zahlreichen Versuche steckt, neben seinem eigentlichen Job Geld zu machen und bei Frauen zu landen – beides mit überschaubarem Erfolg.

Ron (hervorragend: Nick Offerman), Leslie’s Chef. Militanter Libertarist und Beamter – und sich dieses Widerspruchs sehr wohl bewusst. Mein Lieblingscharakter in dieser Serie, hauptsächlich wegen seiner ‘deadpan delivery’ (Im Deutschen gibt es die unzureichende Bezeichnung ‘Trockener Humor’, deshalb nehme ich ausnahmsweise den englischen Ausdruck, er ist einfach so viel präziser). Auch sorgt Ron mit seiner steinernen Mine oft für die nötige komische Fallhöhe.

An Nicht-Kollegen tauch(t)en noch regelmäßig auf:

Ann (Rashida Jones, Tochter des göttlichen Quincy), Krankenschwester (Staffel 1&2, danach eine Karriereänderung, die ich aber nicht verrate), bodenständig, ‘normal’, und beste Freundin von Leslie.

Andy (Chris Pratt), Ex-Freund von Ann und Dann-Freund von Praktikantin April (s.o.), erfolgloser Musiker, Schuhputzer, Messie.

Mark (Paul Schneider), Ex-Freund von Ann, ein Kollege von Leslie aus der Abteilung Stadtplanung. Etwas farblos, nur in Staffeln 1&2.

Neu in der 3. Staffel hinzugekommen sind:

Chris (Rob Lowe), der freundliche, konfliktscheue, sehr empathische Gesundheitsfanatiker, ein nach der Pleite von Pawnee vom Staat Indiana entsandter Auditor, der die Stadtfinanzen sanieren soll. Also der neue Vorgesetzte aller kommunalen Mitarbeiter.

Ben (Adam Scott), Nerd und Mitarbeiter von Chris. Ben war mit 18 Jahren jüngster Bürgermeister der USA, wurde jedoch nach zwei Monaten aus dem Amt gejagt, nachdem er die Stadt durch ein geplantes Wintersport-Zentrum in den Ruin getrieben hatte. Zeitungstitel dazu: “Ice Town Costs Ice Clown Town Crown” – ein wunderbarer Satz. Und Beweis Außerdem ist Ben romantisch an Leslie interessiert – was der Geschichte m.E. in den ersten zwei Staffeln etwas gefehlt hat.

Damit sind aber auch schon mitten im nächsten Thema:

Parks and Recreation: Die Komik

Im Zentrum von Parks & Recreation steht Leslies Bemühen, aus Ihrem Ort Pawnee mehr zu machen, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Dabei erhält sie wie immer wenig Hilfe von ihren unmotivierten Kollegen oder ihrem Chef Ron. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Ann arbeitet Leslie unbeeindruckt von jeglichen Hindernissen an ihrem aktuellen Ziel – ob das jetzt die Umwandlung einer schäbigen Baugrube in einen Park ist, oder bei einem Empfang für ihre Mutter, den sie gemeinsam mit Ann besucht, nicht für ein lesbisches Paar gehalten zu werden.

Es ist häufig Satire, die Parks&Rec so richtig sehenswert macht. Ein Beispiel aus Folge 2: Tom spielt online Scrabble gegen seinen Chef Ron, (ja, den Anti-Regierung Regierungsmitarbeiter). Tom verliert dabei immer absichtlich. Eines Tages benutzt April Toms Scrabble-Konto, um gegen Ron zu spielen, und gewinnt die ganze Zeit. Tom regt sich darüber auf. Ron dagegen erzählt der Kamera, dass er weiß, dass Tom ihn gewinnen lässt, und auch nichts dagegen hat, weil Tom sein idealer Mitarbeiter sei – unproduktiv, ohne Initiative, und ein schlechter Teamspieler.

Oder wenn Assistentin April mal wieder einen Anrufer rüde abwimmelt und Ron sichtlich gerührt in die Kamera sagt “That’s my girl”.

Aber auch in den nicht-satirischen Momenten ist es lustig in Pawnee. Bei einem Camping-Ausflug geht beispielsweise jeder der Charaktere seinen charakteristischen Weg:

Ron will einfach bloß in Ruhe fischen (‘Tiere töten, während ich mich entspanne’), Ben hat vergessen, ein Zelt mitzubringen und verbringt eine schreckliche Nacht, Tom hat sein Wohnzelt mit allen erdenklichen Elektro-Luxusartikeln vollgestellt, und führt so die Idee Camping ad absurdum, Andy findet den vereinbarten Treffpunkt mit April nicht, und anschließend kann niemand mehr mit dem Auto zurück in die Zivilisation fahren, weil Tom seine exklusiven Elektro-Artikel (z.B.: ‘DJ Roomba’- Ein Staubsaug-Roboter mit einem iPod drauf) mit Strom aus der Batterie des Transporters betrieben hatte. Nur Leslie kann dem Ausflug noch Posities abgewinnen.

Parks and Recreation: Das Verdikt

Vier Mal das Wort ‘hervorragend’ in dieser Kritik. Jeder der Darsteller für sich, ebenso wie deren Charaktere, hat schon ein großes komisches Potenzial. In seinen besten Momenten spielen diese Einzelvirtuosen zu einem außerordentlich witzigen, um nicht schon wieder komisch zu sagen, Ganzen auf. In den schlechtesten Momenten ist Parks & Recreation immer noch amüsanter als alles von Mario Barth zusammen.

Die Serie funktioniert, wie ich vermute, aufgrund des hervorragenden Castings. Die Charaktere ‘sitzen’ einfach, und machen einem den Einstieg leicht. Im Laufe der zweiten Staffel bekam auch das Autorenteam mehr Mut, und bislang gefällt mir auch die dritte Staffel etwas besser als die zweite. Mindestens ein Mal pro Folge kann ich richtig laut lachen. Im Idealfall auch öfter. Mehr kann man von einer TV-Serie nicht verlangen.

http://www.pawneeindiana.com/

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