Die Ludolfs

Die Ludolfs (ohne Schwester Sabine Ludolf)

Wer es gern skurril mag, kann wahrscheinlich mit der Reality-Doku-Soap „Die Ludolfs“ viel anfangen. Die Serie ist die wohl erfolgreichste Produktion, die auf DMAX, dem deutschen Discovery-Channel, läuft. Die Serie ist eine Art Underdog, denn mit Voraussetzungen für TV-Erfolg sind die Ludolfs nicht reich gesegnet. Die Ludolfs sind vier Brüder, die in Dernbach im Westerwald einen Autoschrotthandel betreiben. Sie leben in einer schmuddeligen Umgebung. Sie sind übergewichtig, und der Ansicht, Körperpflege hält einen bloß auf in so einer Umgebung (Öl, Benzin, Kettenfett). Mit der deutschen Sprache haben sie es nicht so („Wie kannst Du das mich sagen?“), und viele der Konversationen bestehen lediglich aus Hohlphrasen, Füllwörtern und falsch zitierten folkloristischen „Lebensweisheiten“. Jede Folge der Dokumentation folgt einem Schema:

Die Ludolfs in action: Horst-Günter und Peter Ludolf hecken einen Plan aus
Horst-Günter und Peter Ludolf hecken einen Plan aus

Zuerst entwickelt sich, meistens am Küchentisch mit der wasser- und fettabweisenden Plastiktischdecke, die Idee für eine skurrile Unternehmung, die anschließend geplant wird. Zwischendurch gibt es „Mittag“, i.d.R. bemüht sich Peter Ludolf, ein „thematisch passendes“ „Essen“ nachzuempfinden, woraufhin allerseits noch etwas gearbeitet wird. Dann heißt es „Gute Nacht, Manni“, Zeitraffer-alles-wird-dunkel-dann-wieder-hell und am nächsten Morgen wird die vortags geplante, skurrile Tätigkeit dann umgesetzt. Das kann ein Rennen – alter Minicooper gegen neuen – sein, ein Ausflug mit dem Amphibienfahrzeug auf den Baggersee, oder ein Rundflug übers heimische Dernbach. Manchmal geht es auf in fremde Länder (Holland, Großbritannien), oder einfach nur zum Stock-Car-Rennen. Ganz nach Lust und Laune. Aber nie verlassen Die Ludolfs den jeweiligen Boden, auf dem sie stehen.

Was mir besonders gut an der TV-Serie gefällt, ist nicht so einfach zu sagen.
Da ist zunächst die scheinbare Abwesenheit von Sachzwängen: Geld scheint keine Rolle zu spielen, die Ludolf-Brüder leben einfach so in den Tag hinein, brummen vor Freude, und kümmern sich nicht groß um irgendwas außer ihre geliebten Autos: Scheiß auf die Grammatik, scheiß aufs Geld, scheiß auf den Kontrolleur der Berufsgenossenschaft, der nicht mit Peters Haufenprinzip einverstanden ist. Alle Schrottteile des Schrotthandels Ludolf werden in einer großen Halle aufgehäuft. Das geht so nicht, sagt der deutsche Beamte. Das muss schön säuberlich beschriftet in Regalen verstaut werden. Kann man sich ja vorstellen, Beamte halt. Peters Haufenprinzip dagegen ist neu und erfrischend zu sehen.

Die Ludolfs – Schrottis wie von einem anderen Planeten (Dernbach)

Alles in allem denke ich, dass die nahezu unkompromittierbare Natürlichkeit und Authentizität der Brüder einen Großteil des Scharmes der Sendung ausmacht. Da ist auch nach vielen Jahren Medienpräsenz (die Ludolfs sind inzwischen Profis vor der Kamera) einfach nichts aufgesetzt oder affektiert. Natürlich ist es hochgradig zweifelhaft, ob die Brüder auch ohne Kamerabegleitung ihren schrottigen Schnapsideen nachgehen würden. Obwohl…

Die Ludolf-Brüder, das sind:
Peter Ludolf, Mastermind der Firma und Erfinder und einziger Beherrscher des Haufenprinzips. Peter ist deutlich übergewichtig und leidet wohl an Schuppenflechte. Er verfügt über beste Beziehungen zu anderen Autofreaks in der Umgebung und ist der „Koch“ der Familie. Er liebt Nudeln, Weichgetränke des Coca-Cola-Konzerns und bemüht sich, in der Küche Tradition (So hat es das liebe Muttilein auch schon gemacht) und aktuellen Anlass (Schweden. Was für ein Land! Da gibt es Knäckebrot.) miteinander zu verbinden; Mit durchwachsenen Ergebnissen, mangels Fachkenntis und Talent. Peter wohnt am Firmensitz auf’m Schrottplatz zusammen mit seinem ebenfalls unverheiratetem Bruder

Manni Ludolf, dem jüngsten Sproß der Familie. Manni hat den kleinsten Bauch der vier Brüder und gilt daher als gesundheitsbewußt. Manchmal ißt Manni Obst. Er kennt sich gut mit dem Computer aus, ist wohl der kreativste der vier Brüder und demontiert tagsüber meistens Schrottautos, zusammen mit seinem Bruder

Uwe Ludolf
Uwe Ludolf, 2011

Uwe Ludolf, der nichts lieber macht als seinen Bruder Manni bis zur Weißglut zu provozieren (Manni: „Uwe, du warst fiese zu mich.“). Uwe gilt als der riskobehafteste Fahrer der Brüder und notorischer Schürzenjäger. Dabei ist Uwe als einziger der vier Brüder verheiratet und hat drei – inzwischen erwachsene – Kinder.

Horst-Günter Ludolf, der kettenrauchende Kaffetrinker, trank immer viel Kaffee, konsumierte eine Zigarette nach der anderen, meldete sich manchmal mit „Gudn.“ am Telefon, und vor allem: kümmerte sich um die Ludolf-Telefonzentrale.
Kümmerte, denn er ist Anfang 2011 verstorben. Horst-Günter machte auf mich schon immer einen schwer depressiven Eindruck, und es ist verschiedentlich zu lesen, seine Ex-Frau habe ihm das Herz gebrochen, weshalb er sich so ungesund ernähre. Günter hatte eine eigene Wohnung, und wurde morgens immer von Uwe mit dem Auto in die Firma mitgenommen. Die Brüder haben unterdessen verlauten lassen, dass Günter es gewollt habe, dass die Serie weitergehe, auch ohne ihn. Ich habe aber bisher (Dez. 2011) nur Die Ludolfs-Folgen mit allen vier Ludolfs gesehen.

Und Sabine Ludolf?

Dann ist da noch Sabine, die Schwester der Ludolf-Brüder, die in früheren Staffeln gelegentlich auftauchte, und z.B. Manni beim Einkauf hilft. Sabine Ludolf hat mit dem Schrotthandel nichts am Hut, sondern lebt ein normales, medial wenig beleuchtetes Leben. Ein weiteres Ludolf-Kind (das 6.!) ist wohl schon früh verstorben, wenn ich mich recht erinnere. Dem entsprechend stark ist bei den Ludolf-Brüdern die Verehrung der Vorfahren ausgeprägt: Mama und Papa, Zuwanderer aus dem Ruhrgebiet nach Dernbach in den Hunsrück, haben schließlich die Firma gegündet, die den Brüdern heute eine weitgehend sorglose Existenz ermöglicht. Mindestens ein Mal im Jahr wird dann auch der Friedhof aufgesucht, mit der Kamera(!), und die Vorfahren in anrührenden Zwiegesprächen auf den neuesten Stand der Entwicklung gebracht.

Trotz der schlechten Voraussetzugen (es ist keine sonderlich anspruchsvolle Unterhaltung) scheinen die Ludolfs schnell eine treue Fangemeinde gewonnen zu haben. Wie es auch weitergeht mit Die Ludolfs – ich werde immer wieder gern reingucken und mir auf DMAX eine Dosis Schrottplatzluft um die Nase wehen lassen.

UPDATE 1: SEK Ludolf bei SPORT1

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