Archer

Archer ist eine Zeichentrickserie für Erwachsene, die derzeit im amerikanischen FX-Network zu sehen ist, in D-Land auf Comedy Central (leider kein EPG bei mir, daher ein selten gesehener Kanal, schade eigentlich). Der visuelle Stil ist sehr nah am gedruckten Comic, wobei im Laufe der Zeit auch immer raffiniertere 3D-Effekte zum Einsatz kommen. Produziert wird Archer in Amerika, was selten ist, da die arbeitsintensiven Animationen der meisten animierten Serien in Fernost hergestellt werden. Aber ich schwief ab.

Wer ist Archer?

Archer. Sterling Archer.Sterling Malory Archer ist ein ungeschickter Geheimagentenrüpeljock, der durch sein unüberlegtes Draufgängertum stets sich und andere in höchste Gefahr bringt. Er arbeitet für eine Geheimorganisation namens ISIS*, die von seiner Mutter, Malory Archer, geführt wird, bzw. trotz ihrer Führung noch nicht pleite gegangen ist. Mama Malory hat eine Vorliebe für harte Drinks und das männliche Geschlecht. Sohn Sterling lässt auch keine Gelegenheit aus, der holden Weiblichkeit imponieren zu wollen. Mehr als mit Weiblichkeit ist Archer damit beschäftigt, wie er gerade aussieht, wo er den nächsten Drink herbekommt oder wie lange es her ist, seit er den letzten Drink zu sich genommen hat.

Archer ist die Fortsetzung dessen, was wir als Kinder gespielt haben: Geheimagent ohne Limitierungen seitens der Realität. Auch in der Serie schert man sich nicht um Inkonsistenzen: Der Ostblock ist intakt, man fliegt mit dem Zeppelin, und gerade wenn man glaubt, die getragene Mode auf die 50er Jahre eingeordnet zu haben, zieht jemand ein Mobiltelefon aus der Jackentasche. Computer gibt es, ein Internet (noch) nicht, der Feind sitzt im Osten. Klare Verhältnisse also, die es jedem einfach machen, sich mit dieser Serie anzufreunden, der noch den kalten Krieg bewußt miterlebt hat. Oder jemals einen James Bond-Film gesehen hat.

Was macht Archer so witzig?

Nun, abgesehen von den situationskomischen Elementen, die sich bei den Charakteren und deren Beziehungen förmlich aufdrängen, wird viel mit Klischees gespielt.

Archer, der Macho-Archetyp,

Lana, seine Ex und Agentenkollegin mit riesigem Busen,

Cyril, Lana’s aktueller Freund und Buchhalter bei ISIS*,

Cheryl, die Sekretärin, die zum Einschalten des Computers die Tasten ‚o‘ und ’n‘ drückt (‚on‘),

Pam, die Personalverantwortliche, die gern mit Mitarbeitern durch eine Delphin-Handpuppe spricht,

Dr. Krieger, Sohn eines nach Brasilien geflohenen Nazi-Vaters.

Allesamt herrlich überzeichnet, sehr gut gesprochen und gezeichnet. Und dann ist da noch Ray, der wohl nur dazugekommen ist, damit der Erfinder von Archer, Adam Reed, auch eine Sprechrolle erhält. Ray ist der schwule Analyst, und gehört m.E. nicht derselben Klasse an wie der Rest der Charaktere. Was mir nicht so gefallen hat ist, dass man merkt, dass die einzelnen Stimmen separat voneinander aufgezeichnet wurden, und anschließend beim Schnitt zusammengefügt. Die Dynamik der meisten Szenen leidet darunter, und die Wirkung ist nicht dieselbe als ob sich alle Dialogteilnehmer einer Szene im Studio befinden und sich tatsächlich miteinander unterhalten. Das sind m.E. verschenkte Nuancen, um die Archer noch besser sein könnte.

Ein Beispiel für Archer-typischen Witz will ich hier nicht nennen, nur sagen, dass der halt gern anzüglich, und oft politisch sehr inkorrekt ist. Wie im richtigen Leben halt.

Archer geht in die Verlängerung: Nach Staffel eins (2009) und zwei (2010) soll eine dritte Staffel ab Anfang 2012 gesendet werden. Wirklich empfehlenswert – und ab 18.

*ISIS ist ein wirklich überaus unglücklich gewähltes Akronym bei Archer.

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