DEHOGA – Der mumifizierte Fachverband

Käseigel auf dem Tisch, gesticktes Torero-Bild dahinter an der Wand, die Makramee-Blumenampel ergänzt das Bild. Die Ausbildung im Bereich des deutschen Hotel- und Gastgewerbes setzt auf Abschreckung. So will man sich der Horden junger Leute erwehren, die versuchen – nachdem alles andere nicht geklappt hat – in der Gastronomie groß oder wenigstens satt zu werden.

DEHOGA: Abschreckung durch Gestrigkeit

Den Charme der frühen 60er versprühen auch DEHOGA-eigene Begiffe wie “abgarnieren” (d.h. ein Sträußchen Kräuselpetersilie dranlegen), “Beherbergungsgewerbe” (Hotels) oder “Erbringer sonstiger Verpflegungsdienstleistungen” (Caterer).

Aufgemerkt, DEHOGA: Eine Ausbildung, die sich am kleinsten gemeinsamen Nenner orientiert, beinhaltet keine Motivation für Ausreißer in Richtung Exzellenz. Aber fangen wir vorn an:

Speisendarbietung im Speiselokal (mit Sitzgelegenheit) - undenkbar ohne DEHOGA!
Speisendarbietung im Speiselokal (mit Sitzgelegenheit) – undenkbar ohne DEHOGA!

Schon der Name DEHOGA, Versal-Akronym der ersten Stunde, klingt nach einer schlimmen Krankheit. Als träfen sich Bürokratie und Apathie, ein Kind zu zeugen, und pudern dessen Po mit einer schönen Portion Sendungsbewußtsein. Jahre später wird dieses Kind mit dem schönen Namen DEHOGA die Karriere unzähliger begabter Nachwuchskräfte ver- und behindern, und den Kochbuchabsatz in Deutschland ankurbeln wie niemand zuvor.

Ausschließliches Ziel des DEHOGA, da ist die Website ganz offen, ist die Bestandssicherung der Seinen (“Das Ziel unserer Branchenpolitik ist es, Gegenwart und Zukunft des Gastgewerbes zu sichern.”).
Auch wird mit Landes- und Fachverbänden gewuchert (“17 Landesverbände und zwei Fachverbände”). Sicher hat jeder dieser Verbände noch ein bis fünf Häuptlinge, die auch superwichtig sind (klar) und eine Aufwandentschädigung verdienen. Meldungen wie “DEHOGA-Präsident erhält eine der höchsten Auszeichnungen im Gastgewerbe” überraschen und erigieren den Besucher: Wer hätte das gedacht, ja, jemals für möglich gehalten?? Der DEHOGA-Präsi? Gastgewerbeauszeichnung? Verliehen von einem weltwichtigen Ernährungsauszeichnungsfachverband? Jubilate – in exzelis deo.

Der DEHOGA-Vorstand (Ausschnitt, Symbolfoto)
Der DEHOGA-Vorstand (Ausschnitt, Symbolfoto)

Einer der Fachverbände im DEHOGA ist UNIPAS (Union der Pächter von Autobahn-Service-Betrieben). Wie jeder weiß, stellen die Mitglieder des VEB Tank und Rast die Krone der gastronomischen Schöpfung dar – und dank DEHOGA und Konsorten soll das auch möglichst lange so bleiben.

Hunger auf der Autobahn?

Ich rate jedem kulinarisch bewandertem Autofahrer, maximal ein selbst mitgebrachtes und fabriziertes Butterbrot auf den so genannten “Rasthöfen” zu sich zu nehmen. Am besten im Stehen. Außer natürlich, man steht auf hartgebratenen Fisch (garantiert salmonellenfrei!) mit fett-triefenden Bratkartoffeln, schlappem Salat (der Beweis, dass man aus Essigessenz und Fritierfett ein Dressing zaubern kann) oder bleiche Käsebrötchen, bei denen der rausguckende Hartkäse schon wunderbar anfängt zu schwitzen und sich, dunkel verfärbt, in Richtung Erdmittelpunkt hängen lässt.

Natürlich ist das alles nicht billig zu haben, die geforderten Mondpreise entrichtet nur der verzweifelte, eigentlich zum Pinkeln angehaltene, aber plötzlich hungrig gewordene Automobilist zähneknirschend. Und co-finanziert damit diesen komischen, autoperpetuierenden Club, gegen den der ADAC aussieht wie eine Bande blinder Bananenradfahrer.

Sahnehäubchen der Nahrungsmittelabverkaufsstellen entlang der Autobahn: “merch” – Souvenirkaffeebecher oder Schweißbänder (“Ich hab mein Herz verloren am Rasthaus Hünxe-Ost”). Der zum Scheitern verurteilte Versuch, aus der eigenen, vorprogrammierten Niederlage noch € 5,99 zu ziehen.

Zitate von hxxp://www.dehoga-bundesverband.de/

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