Hallo Uber!

By William Creswell from Seattle, Washington, USA [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Von A nach B kann man wandern, radeln, fliegen, fahren oder: fahren lassen.

Fernab der Heimat gern mal mit einem Taxi.

Wer liebt es nicht, mit deutlich überhöhter Geschindigkeit durch nächtliche Ortschaften zu sausen? Der wortkarge Chauffeur mit schlechten Sprach- aber hervorragenden Radarkontrollstellen-Kenntnissen wartet geduldig, bis der Fahrgast die schweren Koffer im Kofferraum des wollweißen Wagens verstaut hat. Das Taxameter läuft schließlich, die Zeit ist auf seiner Seite.
Gentlemen unter den Chauffeuren sollen sogar teilweise den Kofferraum geöffnet haben – bei schlechtem Wetter freilich per Knopfdruck vom bequem mit Holzperlen-Sitzbezug versehenen Cockpit. Dafür darf der Ritter der Innenstadtstraße auf ein üppiges Trinkgeld hoffen, denn, wie er den geneigten Fahrgast sicherlich wissen lassen wird, von den paar Kröten als Taxifahrer kann man ja nicht leben.

Hat man schließlich Platz genommen, fällt der Duft eines Arbeitsplatzes auf, in dem der Chauffeur i.d.R. den ganzen Tag verbringt. Eine Cuvee aus kaltem Rauch, Fußschweiß, Balea-Duschgel, Piniendufttannenbäumchen und Diesel.
Die Fahrt selbst verkürzt sich der wohlgenährte Chauffeur mit Handy-Privatgesprächen sichtlich erregenden Inhalts in der Sprache seines Heimatlandes, Beschimpfungen anderer Verkehrsteilnehmer oder Bemerkungen zur derzeitigen Wetterlage. Ein Schildchen informiert den Fahrgast über die zu zahlenden Beträge pro Kilometer oder Minute – schließlich stünde der Chauffeur ohne den blöden Fahrgast nicht zwanzig Minuten im Stau – der Verursacher muss es löhnen, wenn der Chauffeur – wider besseres Wissen oder nicht – die Hauptverkehrsader in der Rushhour befährt.

Ich begrüße unsere neuen Uber-Fahrer und hoffe, dass dieser Text in Zukunft bestenfalls antiquarischen Wert hat, weil niemand sich mehr an die schlimme alte Zeit erinnert, als Individualverkehr von A nach B eine so schwere Geburt war.

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